Reisebericht 2015

Es wurden bereits junge Mädchen und Jungen in de Schreinerei und in der Näherei asgebildet! Bericht vom Stand der Entwicklung am 1. Juni 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

Mein Aufenthalt in Kamerun ist eine gute Gelegenheit, allen Helfern und Freunden unseres Vereins einen kleinen Bericht über die Fortschritte unseres Kamerun-Projektes zu geben.

Mvam-Zamba
Zunächst einige Eindrücke aus dem Dorf, wo sich bei unserer Ankunft gerade die Schulkinder in der Pause tummelten; die Mvam-Zamba Volksschule wird derzeit von ca. 120 Schülern besucht.
Es freut mich berichten zu können, dass die mehrfach in unseren Containern versandten
Schulmaterialien immer gut angekommen sind, insbesondere die so liebevoll verpackten Päckchen aus der Grundschule in Dipperz sind hier vielen Kindern noch in bester Erinnerung!

Für die Kinder hier sind der kostenlose Schulbesuch und die Unterstützung durch Schreibmaterialien eine große Chance. Da der kamerunische Staat leider die Gehälter der Lehrer nicht pünktlich (oder über lange Zeiträume gar nicht!) zahlt, ist man in der Regel auf private Schulen angewiesen, die für die meisten viel zu teuer sind. Es ist auch nicht selten, dass ein Kind vom Unterricht ausgeschlossen wird, weil es nicht über Papier und einen Stift verfügt.
Alle – jedoch insbesondere die Lehrkräfte (5 Lehrerinnen und 1 Lehrer)! – sind dankbar, dass wir bislang den Lohn stets regelmäßig auszahlen konnten.

Im Mvam-Zamba Waisenhaus leben derzeit 12 Kinder mit einer Ordensschwester. 2012 haben Familie Reisinger und Leinweber einen Container mit Möbeln, Kücheneinrichtung und Kleidung auf den Weg gebracht und schließlich hier vor Ort das Gebäude sehr tatkräftig eingerichtet. Alles befindet sich noch in einem guten Zustand. Für die Ernährung der Kinder ist durch einen Nutzgarten einigermaßen gesorgt, der von der Dorfgemeinschaft mit unterstützt und bewirtschaftet wird.

Leider gibt es in Westafrika keine öffentliche Fürsorge, sodass elternlose Kinder ohne
Familienangehörige, meist obdachlos, umhervagabundieren und sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen müssen; ohne die Möglichkeit eines Schulbesuchs oder gar einer medizinischen Versorgung. So freut es uns sehr, dass Sie uns den Aufbau dieses kleinen Hauses ermöglicht haben.

Krankheiten wie Kinderlähmung, Gelbsucht (Hepatitis), Typhus und mannigfache Wurminfektionen werden über verseuchtes Gewässer übertragen und fordern, vor allem unter den Kindern, viele Opfer mit einer hohen Sterblichkeit. Die katastrophale Beschaffenheit des verfügbaren Wassers stellt ein bedrückendes Problem in Westafrika dar. Seitdem Mvam-Zamba über einen Brunnen verfügt, ist das Leben um einiges einfacher geworden. Insbesondere die für die Kinder sehr belastenden Wurminfektionen kommen viel seltener vor.

Es wird Abend – da muss der Gemüsegarten noch einmal tüchtig gegossen werden! (und die Menschen wollen ja auch etwas trinken…)

Schließlich Sprechstunde mit Sr. Elise (Dr. med. Bana) im St. Thomas-Hospital, wo uns sehr viele Kranke erwarten….Eine alte Dame mit einer schweren Herzschwäche hat Glück – ein Verwandter bringt sie mit dem Motorrad. Alle anderen Patienten haben die weiten Wege zu Fuß hinter sich gebracht. Immer wieder berührt es mich sehr, welche Strapazen die Kranken auf sich nehmen, um in der Sprechstunde ein wenig Hilfe zu erhalten. Bei glühender Hitze wartet wirklich jeder geduldig, bis er aufgerufen wird.Allerdings versprechen Pfr. Philippe und Dr. Elise auch, dass heute jeder behandelt wird, egal wie viele kommen und wie spät es wird…

Wundverbände und kleine chirurgische Eingriffe werden hier in einem ambulanten OP-Raum von den Schwestern durchgeführt.Im Labor werden Untersuchungen auf Blutarmut, Malaria, Typhus, Würmer, gynäkologische Infektionen und auf HIV durchgeführt.

Patientenannahme
Jeder Patient gibt sein eigenes kleines Heft für die Therapieempfehlungen des Doktors ab. Die Krankenschwester misst dann Blutdruck und Gewicht, bevor es weiter in das Sprechzimmer geht. Endlich beim Doktor – Schwester Elise braucht großes Durchhaltevermögen. Heute sehen wir viele Kranke mit Typhus, Wurminfektionen, Gastritis, starken Gelenk- und Knochenschmerzen; leider sind auch einige Fälle mit Tuberkulose und AIDs darunter sowie offene Wunden, die wegen der schlechten Lebensbedingungen schreckliche Ausmaße annehmen.

Ich darf während der Sprechstunde einige Fotos machen.
Auch wenn das Leben auf den Dörfern sehr hart ist – eine afrikanische Frau macht sich immer schön!
In Kamerun gibt es keinerlei öffentliche Krankenfürsorge. Das Leben für die Menschen in den Dörfern ist sehr hart. Die schwere Arbeit mit der Machete im Wald und das Bestellen der Felder, wohin das Wasser oft über weite Strecken auf dem Kopf getragen werden muss, führen früh zu Verschleißerscheinungen der Knochen und der Gelenke.
Diejenigen, die ihr Wasser aus dem Fluss holen müssen, leiden unter chronischen Wurmbesiedelungen des Darms,Magenschleimhautentzündungen und Hepatitis. Wegen schlimmer Durchfälle haben nicht wenige der Kinder Mangelerscheinungen. Die Malaria stellt ein gravierendes Problem dar, welches unter den Kleinsten und den alten Menschen viele Todesopfer fordert.
Keine Arbeit – kein Geld! So wird bereits der Weg zur Krankenstation häufig zu einem
unüberwindbaren Problem. Dann müssen noch die Mittel für die Behandlung und die Medikamente aufgebracht werden. Obwohl hier die Familien in der Regel zusammenhalten, ist dies trotz Aktivierung aller Reserven oft nicht möglich.
Abgesehen von AIDS und Tuberkulose, bei denen internationale und staatliche Hilfsprogramme eine kostenlose Medikamentenausgabe vorsehen, ist für den normalen Menschen gar die Behandlung einer chronischen Erkrankung (z. B. eines simplen Bluthochdrucks oder Diabetes) nicht erschwinglich.
Darüber hinaus besteht in ganz Westafrika ein erheblicher Mangel an Ärzten und medizinischem Fachpersonal. Die finanziellen Mittel für eine entsprechende Ausbildung müssen privat aufgebracht werden, auch fehlt es an Universitäten und Krankenpflegeschulen.

Grace à Dieu – gegen Abend ist im „Wartezimmer“ ein Ende in Sicht. Patienten und Krankenhaus-Mitarbeiter haben gut durchgehalten!
Vor diesem Hintergrund bedeutet es ein besonderes Glück, dass es uns gelungen ist, in Yaoundé eine wirklich gut ausgebildete und engagierte Ärztin in Dr. Elise Bana zu finden.
Dr. Elise ist Ordensfrau bei den „Töchtern Mariens“ und wir sind ihrem Konvent sehr dankbar, dass sie für die Arbeit in unserem Projekt freigegeben wurde. Es ist für uns von unschätzbarem Wert, eine verlässliche, erfahrene Ärztin vor Ort zu haben, die alle Hilfsmaßnahmen intelligent und sorgfältig koordiniert.

Nsimalen
Besondere Freude macht es mir, von unserem Besuch im Ausbildungszentrum Nsiamlen zu berichten, welches 2012 mit großem Aufwand und insbesondere durch den Einsatz von Familie Reisinger eingerichtet werden konnte. Gerhard und Gerda haben keine Mühen gescheut, die Lehrkräfte gut in die Gerätschaften einzuweisen, was sich nun im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt macht.

Schreinerei 2015
Die Schreinerei bildet derzeit 14 junge Männer und eine Dame aus (welch letztere hier eine wirkliche Sensation darstellt). Über den Verkauf der Erzeugnisse an externe Kunden finanzieren sich die Gehälter der Mitarbeiter.
In der Näherei werden inzwischen 30 Schüler und Schülerinnen ausgebildet. In den
Auswahlgesprächen geben wir grundsätzlich den bedürftigen Jugendlichen den Vorrang. Leider gibt es hier viele Kinder, die ihre Eltern schon früh verlieren (oder deren Eltern sehr arm bzw. krank sind), sodass aufgrund fehlender sozialer Systeme eine berufliche Schulung überhaupt nicht möglich ist.

Sie können sich sicher vorstellen, wie begeistert die Chance auf eine fundierte handwerkliche Ausbildung von diesen jungen Menschen angenommen wird!

Die guten Erfolge, die uns die letzten Jahre geschenkt wurden, haben uns ermutigt, mit dem Bau eines Krankenhauses in Yaounde zu beginnen. Das Hospital liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Berufsschule, sodass wir sehr praktisch vieles in Eigenleistung erbringen können, wie z.B. Fenster, Türen und Einrichtungsgegenstände. Ein besonderer Vorteil besteht in der räumlichen Nähe zum Flughafen (ca. 1,5 km entfernt). Anfahrt, Versorgung mit Starkstrom und der Bau eines Wasserturmes sind mit verhältnismäßig moderatem Aufwand zu organisieren.

Während meines Aufenthaltes wird der Dachstuhl des Hospitals aufgerichtet.
Die Fertigstellung soll im Oktober dieses Jahres erfolgen, hierfür sind jedoch noch erhebliche Mittel aufzubringen…(!). Das notwendige Inventar (Betten und Nachtkästchen für die Krankenzimmer, Medizintechnik usw.) steht bereits zum Abtransport eines Containers in Dipperz bereit.

 

Liebe Freunde, es freut mich, dass ich so viel Gutes berichten kann. Ganz klar ist, dass ohne Ihre treue Hilfe ein Projekt wie dieses nicht gedeihen könnte!
Ganz herzlichen Dank und Gruß von all unseren Mitarbeitern, den Menschen aus dem Dorf Mvam-Zamba und aus der Berufsschule, vor allem jedoch von Pfarrer Philippe Mbarga!

Es grüßt Sie von Herzen – bleiben Sie uns treu!