Reisebericht 2013 – Theresa Stitz

Perspektivwechsel, der etwas andere Reisebericht – Eindrücke und Erlebnisse vor Ort. Februar bis Juli 2013


Anfang 2013 hatte ich die Möglichkeit für mehrere Monate Pfarrer Philippe MBARGA in Yaounde zu besuchen, die verschiedenen Projekte des St.Thomas Hospital Kamerun e.V. kennenzulernen und selbst in einer Schule unterrichten und Unterricht begleiten zu dürfen.
Die beeindruckenden Erlebnisse des bunten und vielfältigen Alltags in Yaounde sind und bleiben unvergesslich.
Anders als in Deutschland hat hier in Kamerun jede Schule eine Schuluniform. Eine Schulstunde dauert 50 Minuten und auch am Samstag findet Unterricht statt, allerdings dann nur bis um 12.00 Uhr. Die Schüler sind sehr (positiv) neugierig, beobachten mich, schauen erwartungsvoll, wenn ich mich auf Deutsch vorstelle und viele kommen immer zwischendurch, wenn ich über den Schulhof laufe, mit einem Grinsen im Gesicht auf mich zu und sagen „Gutten Taaag“, „Auf Wiederseeeehen“ oder „Tschüüüüüss“. Generell interessieren sie sich sehr für mich bzw. Deutschland und Europa. Sie fragen, ob Deutschland schöner ist als Kamerun, ob wir viele Dinge auch auf dem Kopf tragen, ob die Personen aus ihren Deutschbüchern wirklich in Deutschland leben, ob die Kinder in Deutschland auch so wie sie viele kleine Zöpfe haben, ob ich viele Freunde in Deutschland habe…

Im Lehrerzimmer geht es freundschaftlich zu, es wird sich lebhaft unterhalten, manchmal läuft über das Handy eines Lehrers Musik, an der Seite stehen ein paar
Sessel zum Ausruhen und die Tür, die direkt raus auf den Hof führt, steht immer offen. Am Nachmittag halten sich hier auch manchmal die kleineren Kinder mancher Lehrer auf und tanzen zur Musik oder beschäftigen sich anderweitig. Die Lehrer unterrichten jeweils ein Unterrichtsfach, aber einige arbeiten zusätzlich noch an öffentlichen Schulen.

 

Verschieden Eindrücke:

Wartende Passanten rufen den kurz langsamer werdenden Taxifahrern ihre Zielstadtviertel zu.Eine Frau verkauft auf einem kleinen Holztischchen unter einem Schirm ihre Bananen
Neben ihr auf dem Burgersteig sitzt ihr ein Jahr altes Kind, es schaut einem Huhn hinterher, das dort läuft.
Auf einem Plastiksack ausgebreitet werden hier Schuhe und Klamotten verkauft, ein Mann seine Ziege an einer Leine über die Straße, die Abgase des Autos da brennen in der Nase.Da Verkäuferinnen hinter Ananasbergen, Mangos und Papaya, dort pinkelt ein Mann.
Rhythmische Musik aus den zu verkaufenden Lautsprechern vor dem Elektroladen dort drüben.
Es gibt Avocados, Tomaten und Gombos.
Huup! Huup! Der Passant wird vom Taxi mitgenommen.
Am Kopierer unter dem Schirm dort bezahlt ein Mann seine Kopien
Eine Schwangere trägt einen Sack Reis auf dem Kopf, ein Vierter setzt sich da auf die Rückbank eines Taxis.
Hier bahnen sich zwei Grundschulkinder Hand in Hand den Weg durch die hupende Automasse.
Hier und da Plastikmüll.
Ein Junge  bekommt eine Ohrfeige, weil sein Ball auf die Straße rollt.
An der Wasserstelle füllen einige Kinder ihre Wassereimer.
Eine Zweite setzt sich hier noch auf den Beifahrersitz dieses Taxis.
Hier ein Haufen Kochbananen.
Ein Mann trägt einen Käfig mit zu verkaufenden Küken auf dem Kopf.
„Baton de Manoic“-essend verkauft ein Mädchen Baton de Manioc.
Ein ein Müllhaufen brennt und qualmt vor sich hin.
Die Mädchen und Jungen dort gehen von Autofenster zu Autofenster um Erdnüsse, Bonbons, Taschentücher, Wahndreiecke oder Scheibenwischer zu verkaufen.
Ein Mann an einer Pop-Corn-Maschine trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Tischtennisverein Oberursel“.

SPRACHEN – Das Sprachpotenzial ist riesig! In Kamerun werden über 250 verschiedene nationale Sprachen gesprochen und viele haben ein komplett eigenes Vokabular. Vor allem in den Dörfern, aber auch in den Städten wird untereinander oft die nationale Sprache/Muttersprache gesprochen. In Yaoundé ist die einheimische Sprache „Ewondo“.

Von ein paar Lehrern, die begeistert versuchen mir ein paar Wörter Ewondo zu entlocken und weil es einem einfach immer wieder begegnet, habe ich mittlerweile ein paar Ausdrücke gelernt. Super interessant, aber nicht so leicht zu merken und richtig auszusprechen. Historisch bedingt sind die Amtssprachen in Kamerun Französisch und Englisch und theoretisch sollte die auch jeder sprechen können, allerdings bekomme ich immer wieder gesagt: „Kamerun ist bilingual, die Kameruner aber nicht!“.Je nachdem in welcher der insgesamt zehn Regionen man lebt, spricht man neben seiner Muttersprache entweder Französisch (ca. 80% der Bevölkerung) oder Englisch (Nord-West- und Sued-West-Region).

Ab der Grundschule lernt jeder Französisch und Englisch als Fremdsprachen, dabei hat die auch in der Schule gesprochene Amtssprache aber natürlich mehr Bedeutung. Bisher konnte ich mich hier im frankophonen „Centre“ nur mit wenigen Leuten auf Englisch unterhalten. Dass Deutsch an fast jeder weiterführenden Schule als Fremdsprache angeboten wird, hängt ebenfalls mit der Geschichte Kameruns (1884 – 1916 deutsche Kolonie) zusammen.

KOMMUNIKATION – Ohne Handy läuft hier Garnichts, es ist DAS Kommunikationsmittel und so gut wie jeder Kameruner hat eins, meistens aber zwei oder drei mit verschiedenen Anbietern. Das Aufladen von Guthaben ist wenigstens an jeder Straßenecke bei Händlern, die den gewünschten Betrag von einem ihrer Handys auf dein Handy transferieren, möglich. Telefonate werden in jeder Situation angenommen und genauso wie für die meisten Deutschen ist das Handy ständiger Begleiter. Weil es nur einen Anbieter gibt, ist Internet verhältnismäßig teuer und dementsprechend verfügen nur diejenigen, die es sich leisten können, über einen Internetzugang.

GRÜSSE AUS DEUTSCHLAND – Ob LKWs mit deutschen Aufschriften, T-Shirts von irgendwelchen Sportvereinen … wenn man die Augen offen hält, begegnet man immer wieder Bekanntem; bei den „Altkleidern“, die überall verkauft werden, mit einem komischen Gefühl.